Lieber gut geregelt

Konferenz des IG BCE-Landesbezirks Nordrhein "Zukunft der Arbeitszeit"

Die IG BCE diskutiert über Arbeitszeit der Zukunft - "Finger weg vom Arbeitsschutz". Rund um die Uhr im Einsatz? Auch am Sonntagabend noch dienstliche E-Mails von Zuhause beantworten? Der digitale Wandel übt Druck auf die Beschäftigten aus. Die Arbeitszeit droht zu entgrenzen. Betriebsräte und Vertrauensleute diskutierten nun auf einer Konferenz der IG BCE Nordrhein in Kaarst, wie sich in Zeiten des digitalen Wandels die Arbeitszeit gestalten lässt.

Stephen Petrat

12.04.2017
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Einig waren sich die Gewerkschafter, dass die Diskussion um neue Arbeitszeitmodelle nicht zu einem Aufweichen der geltenden Arbeitszeit-Gesetze führen darf, wie die Arbeitgeber es gerne hätten. Eine gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit von mindestens elf Stunden sei „etwas Logisches, nämlich etwas Biologisches“, erklärte IG-BCE-Landesbezirksleiter Frank Löllgen. Der Mensch brauche nun mal acht Stunden Schlaf; rechne man eine Stunde für das Essen und jeweils eine Stunde für Hin- und Rückweg, ergäben sich folgerichtig die elf Stunden. „Ich frage die Arbeitgeber immer, was die Leute denn machen sollen. Schneller schlafen?“, sagte Löllgen. Die Debatte um die Ruhezeiten sei „total verrückt“, sagte Peter Hausmann, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE, und forderte plakativ: „Freizeit muss Freizeit bleiben.“

Unterstützung erhielten die Gewerkschafter von dem nordrhein-westfälischen Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (SPD). „Hände weg vom Arbeitszeitgesetz!“, mahnte der Minister. Er wolle die Errungenschaften nicht aufgeben, „die unsere Großväter und Großmütter erkämpft haben“. Die Flexibilisierung brauche „klare Regeln und Kontrollen durch den Arbeitsschutz“. Es müsse „ein Recht auf Feierabend 4.0“ geben, sagte er.

Wie Arbeitszeiten gut geregelt werden können, zeigten zwei Beispiele aus der Praxis. Bei Evonik hat der Betriebsrat in einer Betriebsvereinbarung ein Ampel-System vereinbart. Die Ampel springt auf gelb beziehungsweise rot, wenn der einzelne Beschäftigte sein Arbeitszeitkonto überzieht. Die Vorgesetzten müssen dann tätig werden.  Außerdem arbeitet das Unternehmen mit sogenannten Eskalationsmeldungen, erläuterte Betriebsrat Norbert Pohlmann. Übersteigt die Arbeitszeit zum Beispiel die Höchstgrenze von zehn Stunden oder werden elf Stunden Ruhezeit nicht eingehalten, bekommen Betriebsrat und Personalabteilung eine Meldung. „Das ist ein gute Lösung“, sagte Betriebsrat Pohlmann. Sie führe dazu, dass die Vorgesetzten darauf achten, dass die Arbeitszeiten nicht ausufern. „Bei 15.000 Gesamtbeschäftigten haben wir gerade einmal 300 Eskalationsmeldungen am Standort Essen.“

Der Betriebsrat bei Bayer in Leverkusen hat eine Vereinbarung ausgehandelt, die die Belastung der Beschäftigten, durch eine verbindliche Regelung der Vorgehensweise im Fall von Schichtplanabweichungen, reduziert. Das passiert durch längere Ankündigungsfristen. „Die Beschäftigten müssen immer vier Wochen vorher Bescheid wissen – dann muss der Schichtplan am Kühlschrank hängen“, erklärte Betriebsrätin Eveline Wengler. Die Regelung betrifft die Supply-Abteilung mit mehr als 600 Beschäftigten. Dort werden Arzneimittel abgefüllt und verpackt, die Abteilung muss generell schnell agieren. „Uns geht es um Planbarkeit“, sagte Eveline Wengler, „die Menschen müssen früh genug wissen, wann sie im Einsatz sind.“

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