Tipps Neuanfänger

Azubis am Start

Hundertausende Jugendliche strömen jetzt bundesweit in die  Betriebe und beginnen ihre Ausbildung. Ob Industriekauffrau, Chemikantin, Mechatroniker oder Brunnenbauer – sie alle betreten eine neue Welt: Haben plötzlich Kollegen, mit denen sie auskommen müssen, verdienen eigenes Geld, müssen aufs Outfit achten. Da kommen Fragen auf. Wir helfen bei der Orientierung.

Yuri/iStock

31.08.2017
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A - Arbeitszeit

Als Minderjähriger darfst du höchstens acht Stunden am Tag und 40 Stunden pro Woche arbeiten. Es können auch achteinhalb Stunden pro Tag sein, wenn dafür am Freitagnachmittag kürzer gearbeitet wird. Wichtig: Für minderjährige Azubis ist pro Tag eine Stunde Pause gesetzlich vorgeschrieben. Volljährige Auszubildende dürfen bis zu zehn Stunden am Tag tätig sein, wenn sich durch mehr Freizeit an anderen Tagen wieder ein Durchschnitt von acht Stunden ergibt. Falls im Vertrag eine längere Arbeitszeit steht, ist dieser Punkt ungültig und es gilt die gesetzliche Maximalzeit.

Kurzarbeit, nein danke! Klar: Kurzarbeit sichert Jobs in der Krise. Doch macht sie auch für Azubis Sinn? Die IG BCE findet: Für Auszubildende sollte Kurzarbeit tabu sein. Schließlich sollen sie ihren Beruf erst erlernen.

B - Berufsschule

Als Azubi musst du in jedem Fall auch in die Berufsschule, denn du bist berufsschulpflichtig. Die Berufsschule gehört zu deiner Ausbildung – und deshalb auch zu deiner Arbeitszeit. Du musst von deinem Ausbildungsbetrieb für den Unterricht einschließlich der Pausen und für die Wegstrecke zwischen Betrieb und der Berufsschule freigestellt werden.

Wenn der Unterricht vor 9 Uhr beginnt, musst du vorher nicht mehr zur Arbeit. Dabei gilt für Minderjährige: Wenn der Unterricht mehr als fünf Schulstunden dauert, wird der erste Berufsschultag in einer Woche als voller Arbeitstag gerechnet. Der zweite Berufsschultag zählt nur mit der tatsächlichen Unterrichtszeit plus Pausen und ohne Anfahrtszeit, danach muss der Azubi noch im Betrieb arbeiten. Für Volljährige gilt: Unterricht ist Arbeitszeit (plus Pausen und Anfahrtszeit) – aber nur dann, wenn er in die normale betriebliche Ausbildungszeit fällt.

G - Geld

Dein Ausbildungsbetrieb zahlt dir das Gehalt nicht bar aus, sondern überweist es auf ein Konto. Das kann auch das Konto deiner Eltern sein – wenn du aber in eigener Verantwortung mit deinem Geld umgehen möchtest, solltest du ein eigenes Konto eröffnen. Wenn du noch keine 18 Jahre alt bist, musst du bei der Eröffnung des Kontos deine Eltern mitbringen.

Bei den meisten Banken und Sparkassen kostet die Kontoführung für Azubis nichts. Wer aber später keine böse Überraschung erleben will, sollte jetzt schon darauf achten, was das Konto später kostet. Denn dabei gibt es enorme Unterschiede: Ein Durchschnittskunde zahlt bei manchen Banken gar nichts für die Kontoführung und erhält sogar Guthabenzinsen. Bei anderen Geldinstituten kostet die Kontoführung bis zu 200 Euro pro Jahr.

O - Outfit

Du trägst gerne zerrissene Jeans? Ob dies auch am Arbeitsplatz möglich ist, dazu gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Was gilt, muss im Betrieb ausgehandelt werden. Richtschnur ist dabei zum einen: Azubis müssen sich an die im Betrieb geltenden Regelungen halten. Zugleich haben sie auch das Recht zur freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit.

Das Grundgesetz garantiert damit im Prinzip, dass jeder mit zerrissenen Jeans herumlaufen und sich zum Beispiel auch die Haarlänge selbst aussuchen kann. Ein Haarnetz kann allerdings aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben werden, damit die Haare nicht in Maschinen gelangen können. Solche Probleme gibt es im Bürobereich nicht. Gepflegt sollten die Haare allerdings auch bei Büro-Azubis immer sein. Ungepflegte Haare und Kleidung können bei Azubis mit Kundenkontakt sogar geschäftsschädigend sein.

R - Recht und Rat

Als Azubi bist Du im Vergleich zu »normalen« Arbeitnehmern besser vor einer Kündigung geschützt. Dies gilt vor allem nach der Probezeit. Dennoch ist eine Kündigung von Ausbildungsverhältnissen möglich. Manchmal stellt sich schon bald heraus, dass der Auszubildende, der Beruf und der Betrieb doch nicht zueinander passen. Dann können sowohl der Betrieb als auch der Azubi innerhalb der vereinbarten Probezeit von maximal vier Monaten den Vertrag ohne Frist kündigen.

Nach Ablauf der Probezeit kann der Auszubildende mit vier Wochen Frist kündigen, falls er die Ausbildung abbrechen oder den Ausbildungsberuf wechseln will, oder aber fristlos aus wichtigem Grund (etwa wenn er die Ausbildungsvergütung nur unregelmäßig bekommt).

V- Vertrag

Der Ausbildungsvertrag muss noch vor Beginn der Ausbildung schriftlich geschlossen werden. Er wird von Azubi und Ausbilder unterschrieben und muss, falls der oder die Auszubildende nicht volljährig ist, zusätzlich von den gesetzlichen Vertretern – in der Regel den Eltern – unterschrieben werden. Betrieb und Azubi bekommen je ein Exemplar. Im Ausbildungsvertrag sind Punkte geregelt wie etwa der Ausbildungsort, die Gliederung der Berufsausbildung, die Dauer der täglichen Arbeitszeit und der Probezeit sowie die Zahlung und Höhe der Ausbildungsvergütung.

Den Vertrag solltet Ihr vor der Unterzeichnung gut durchlesen und bei Unklarheiten sofort nachfragen. Es lohnt sich, den Vertrag von der Gewerkschaft prüfen zu lassen.

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