Tarifrunde heißt auch sich an einen Tisch zu setzen und miteinander zu reden!

Die IG BCE-Mitglieder der Ernst Zeiss GmbH in Zülpich sind sauer! Seit Jahresbeginn stehen die Mitarbeiter schon ohne Tarifvertrag da, weil ihr neuer Chef, Eike Ebert, sich weigert mit der Gewerkschaft zu sprechen.

Wie kam es dazu?

Die Burnus GmbH aus Darmstadt, bekannt durch das Feinwaschmittel „Burti“, die Handpflegecreme „Kamill“ und das Duschgel „Litamin“, übernahm zu Beginn des Jahres 2019 die Colep Zülpich GmbH, einen Liquidabfüller. Vor der Übernahme waren die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zwischen der Colep GmbH und der IG BCE durch einen Haustarifvertrag seit vielen Jahren klar geregelt.

Vor dem Verkauf der Colep Zülpich GmbH wurde die Belegschaft drastisch verkleinert. Von über 200 MA auf nunmehr ca. 110 MA. Damit nicht genug! Pünktlich vor der Übernahme zum 01.01.2019 wurde der Tarifvertrag von der Colep GmbH gekündigt. Seit dem geht die Burnus GmbH, vertreten durch ihren Geschäftsführer Eike Ebert, den nunmehr anstehenden Tarifverhandlungen konsequent aus dem Weg. Die Beschäftigten, insbesondere die IG BCE – Mitglieder des Betriebes, sind sauer.

Warum verweigert sich die Burnus GmbH?

Diese Frage stellen sich die Beschäftigten der Ernst Zeiss GmbH und der Gewerkschaftssekretär Ralf Denecke, der schon vor, aber auch nach der Übernahme des Betriebes etliche Versuche unternahm, um mit Herrn Ebert ins Gespräch zu kommen. Vergeblich!

Ganz besonders viel Unverständnis für diesen Zustand kommt zu Tage wenn man bedenkt, dass der Geschäftsführer, Eike Ebert, eine steile Karriere in der Darmstädter SPD machte und sogar als Mitglied des Bundestages (MdB) für die SPD agierte.

Es ist kein Geheimnis, dass die SPD traditionell und historisch bedingt mit den Arbeiterbewegungen und Gewerkschaften gemeinsame Ziele verfolgt. Dazu gehört selbstverständlich auch die Stärkung der Tarifautonomie! Das ein Geschäftsführer mit einem solchen politischen Hintergrund, wie Eike Ebert, sich gegenüber Mitbestimmungsrechten und der sozialpartnerschaftlichen Tradition derart verweigert, sorgt für großes Entsetzen.

Und jetzt?

Am 29.08.2019 organisierten sich die Beschäftigten der Ernst Zeiss GmbH mit Unterstützung der IG BCE – Ortsgruppe Erp zum Protest und versammelten sich vor dem Betrieb zu einer politischen Mittagspause. Über den scheinbaren Zufall, dass neben dem für den Protest abgesperrten Parkstreifen, an diesem Tag zeitweise lautstarke Gartenarbeiten stattfanden, konnten die Beschäftigten der Ernst Zeiss GmbH nur müde Lächeln und ließen sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen.

Unterstützung erhielten die rund 30 Beschäftigten an diesem Tag nicht nur von der IG BCE Ortsgruppe, sondern auch von der Zülpicher SPD-Fraktionschefin Christine BÄR und dem stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden der Kreis-SPD. Auch sie brachten ihr Unverständnis über den gegenwärtigen Zustand sehr deutlich zum Ausdruck. Der IG BCE Gewerkschaftssekretär Ralf Denecke erklärt zudem: „Eine solche Blockadehaltung ist für uns nicht akzeptabel. Wir werden für unser Recht auf Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen streiten und im Notfall auch streiken“.

Die Situation bei der Ernst Zeiss GmbH erregt nicht nur bei den Beschäftigten, der IG BCE und SPD für Aufsehen, sondern auch die regionale Presse, die Tageszeitung „Darmstädter Echo“ und der örtliche Rundfunk berichteten von der politischen Mittagspause.

Ob es nun tatsächlich zu einem Arbeitskampf und damit zum Erzwingen eines Tarifvertrages kommt, entscheiden letztendlich die Kolleginnen und Kollegen der Ernst Zeiss GmbH, insbesondere die IG BCE Mitglieder bei der Ernst Zeiss GmbH.

„Die Tür können wir unseren Kolleginnen und Kollegen öffnen, durchschreiten müssen sie sie allerdings selbst!“, so der Gewerkschaftssekretär Ralf Denecke

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