11. Jahrestagung für Schwerbehindertenvertreter

„Wir stehen für inklusive Gesellschaft"

Die Gewerkschaft sei gegen Diskriminierung, sagte die stellvertretende Vorsitzende Edeltraud Glänzer in ihrer Auftaktrede zur Jahrestagung der Schwerbehindertenvertreter (SBV) in Hannover. „Wir stehen für eine inklusive Gesellschaft – und ihr seid Stimme und Gesicht der IG BCE!“, sagte sie den fast 200 Teilnehmenden. Die IG BCE entwickelt den Aktionsplan Inklusion weiter, hat auf dem 6. Ordentlichen Gewerkschaftskongress wichtige Anträge zum Thema verabschiedet und schreibt diese Geschichte jetzt fort.

Dirk Egelkamp

Edeltraud Glänzer bei ihrer Auftaktrede zur 11. Jahrestagung der Schwerbehindertenvertreter in Hannover
08.11.2017
  • Von: Marcel Schwarzenberger
  • Fotostrecke: 6 Bilder
Artikel bewerten
Danke für die Bewertung
Ihre bereits abgegebene Bewertung wurde aktualisiert.

Im Zuge des im Vorjahr initiierten Aktionsplans Inklusion hat sich die IG BCE viele Ziele gesteckt. Dazu gehören die Stärkung der SBVen in den Betrieben – was auch durch das inzwischen in Kraft getretene Bundesteilhabegesetz gefördert wird –, der Ausbau der betrieblichen Mitbestimmung, die Umsetzung des beim Gewerkschaftskongress verabschiedeten Antrags „Wir machen Gute Arbeit inklusiv“ sowie der Fokus auf den Organisationsgrad in den Schwerbehindertenvertretungen. Diese seien zu 82,5 Prozent in der Gewerkschaft organisiert, berichtete Glänzer. Das sei ein guter Wert, der sich dennoch ausbauen ließe.

Aktionsplan für die Inklusion

Mehr Inklusion – das gilt auch für die Gewerkschaft selbst. Die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung ist inzwischen in der IG-BCE-Satzung verankert. Die Schwerbehindertenvertretungen sollen stärker in die Arbeit der Bezirke vor Ort eingebunden werden. Und eine Forderung der SBV-Tagung 2016 wird umgesetzt: Es geht um mehr Barrierefreiheit in den Einrichtungen der IG BCE. Begonnen wird mit dem Bildungs- und Tagungszentrum der IG BCE in Bad Münder.

Dirk Egelkamp

„Wir werden schneller eingebunden, wenn es beispielsweise um Umbauten oder Betriebsvereinbarungen geht“ sagte Mercks SBV-Mitglied Michele-Nicole Knöll.
Im Dezember vorigen Jahres startete die Hans-Böckler-Stiftung das Projekt „Schwerbehindertenvertretungen: Allianzpartner in Netzwerken“ mit der Universität Köln und in Kooperation mit der IG BCE. Wenn es um Präventionsarbeit und betriebliche Inklusion geht, spielen die SBVen als Lotsen ganz vorn mit – und sie müssen für ihre Arbeit in den Betrieben, aber auch extern die richtigen Allianzen schmieden können. An diesem Punkt setzt das Projekt an, das bis 2018 wissenschaftliche Forschungsergebnisse liefern will. Es wird auch Antworten auf die Frage geben, was die Vertrauensleute und ihre StellvertreterInnen für den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit tun können.

Im April dieses Jahres bekamen alle Vertrauenspersonen und ihre Stellvertreter den Aktionsplan Inklusion zugeschickt. Bislang haben Firmen wie RWE und Merck den Aktionsplan unterzeichnet, der die SBVen in ihrer Arbeit unterstützen und Inklusion fördern soll. In weiteren Unternehmen, darunter Evonik und BASF, denken die maßgeblichen Akteure bereits über eine Unterschrift nach. „Aber die allein reicht natürlich nicht“, betonte Glänzer. Es müsse sich auch konkret etwas in den Betrieben ändern. „Da sind die Sozialpartner gefordert.“  Entsprechende Gespräche mit Arbeitgeberverbänden seien geplant. „Das Thema ist wichtig; das soll sich den Betrieben widerspiegeln.“

Dirk Egelkamp

Behindertengerechte Umbauten – bei diesem Thema „klemmt es noch etwas“, sagte Hauptvertrauensperson Josef Deml von K+S.
Stimmen auf der Tagung

Als eines der ersten Unternehmen unterzeichnete Merck in Darmstadt den Aktionsplan Inklusion der IG BCE. Im Betrieb sei die SBV schon länger sehr gut aufgestellt, berichtete SBV-Mitglied Michele-Nicole Knöll. Aber mit dem Gesetz und der Unterzeichnung des Aktionsplans sei die rechtliche Stellung weiter gefestigt worden. „Wir werden schneller eingebunden, wenn es beispielsweise um Umbauten oder Betriebsvereinbarungen geht“, sagte Knöll.

Behindertengerechte Umbauten – bei diesem Thema „klemmt es noch etwas“, sagte Josef Deml von K+S in Neuhof. Deml ist Hauptvertrauensperson, hinzu kommen Vertrauensleute an allen K+S-Standorten. Sie beraten dieser Tage über einen innerbetrieblichen Inklusionsvertrag. Der soll sichern helfen, dass Menschen mit und ohne Behinderungen gleichberechtigt arbeiten können.

Eine Inklusionsvereinbarung mit dem Unternehmen bereitet auch die SBV bei Goodyear Dunlop in Fulda vor. „Wir wollen das Thema auf einen aktuellen Stand bringen“, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und Gesamtschwerbehindertenvertreter Matthias Diel. Dabei gehe es auch um Fragen zur Freistellung der Vertrauenspersonen. Diel geht es zudem ums Netzwerken zur Sache. In und um Fulda ist seine SBV mit KollegInnen in 82 Betrieben vernetzt.

Dirk Egelkamp

„Wir wollen das Thema auf einen aktuellen Stand bringen“, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und Gesamtschwerbehindertenvertreter Matthias Diel von Goodyear Dunlop.
Jeder Mensch hat Potenzial

Den Auftakt zur Jahrestagung beschloss der Bochumer Autor Janis McDavid mit einem Impulsvortrag. Er kam ohne Arme und Beine zur Welt, studiert und hat eine klare Sicht auf die Arbeitswelt: „In der Debatte um die Inklusion braucht es einen radikalen Perspektivenwechsel“ Arbeitgeber sollten weniger auf potenzielle Probleme behinderter Bewerber schauen. „Sie sollten sich mit den Potenzialen der Menschen befassen.“

  • Foto: 

    Dirk Egelkamp

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

1 /
Nach oben