Uranbergbau / Chipherstellung

Vassiliadis besucht Betriebe in Sachsen

Der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis, fuhr zu Wismut in Chemnitz und Schlema und traf Betriebsräte sowie Geschäftsführer von Globalfoundries in Dresden.

Michael Bader

Vassiliadis besucht Wismut Michael Vassiliadis besuchte die Wismut und ließ sich über den Stand der Sanierungen informieren.
02.06.2017
  • Von: Wolfgang Lenders
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Wie weit ist die Sanierung der Überbleibsel des Uranbergbaus im Erzgebirge? Was wird aus den umfangreichen Archivbeständen der Wismut GmbH? Und wie kann es gelingen, für die Beschäftigten von Global Foundries in Dresden einen Tarifvertrag auszuhandeln? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis bei einem Besuch in Sachsen.

Aus dem Erzgebirge kam das Uran für rund ein Drittel der sowjetischen Nuklearwaffen. Nach der Wende übernahm die Bundesrepublik Deutschland die unter dem Tarnnamen Wismut AG operierende Abbau-Firma und damit die Aufgabe, die umfassenden Umweltbelastungen unter Kontrolle zu bekommen. Seitdem betreibt die Nachfolgefirma Wismut GmbH, eine bundeseigene Firma, die Sanierung von alten Bergwerksanlagen, Aufbereitungsanlagen und Halden.

Ein Problem, das die Wismut zurzeit belastet, sind Entschädigungen für Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle bis 1991. So haben sich durch den neuen Gefahrtarif der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) die monatlichen Vorauszahlungen der Wismut mehr als verdoppelt. Michael Vassiliadis sprach sich dafür aus, eine grundsätzliche Lösung für das Problem zu finden.

Inzwischen ist die Sanierung unter Tage weitgehend abgeschlossen. Bis zum Jahr 2028 soll die Kern-Sanierung abgeschlossen sein, die weitere Planung der Wismut geht aber bis ins Jahr 2045. Rund 8 Milliarden Euro wird die Sanierung bis dahin nach heutigem Stand gekostet haben, etwa 6,5 Milliarden Euro waren ursprünglich geplant. Und auch über das Jahr 2045 hinaus wird weiterhin zum Beispiel kontaminiertes Wasser, das aus alten Grubenanlagen und Halden austritt, gereinigt werden müssen.

"Die Wismut kann eine wichtige Geschichte erzählen", sagte Michael Vassiliadis. Nun gelte es, mehr daraus machen, die Arbeit des Unternehmens als gutes Beispiel zu zeigen. Gemeinsam mit Mitgliedern des Betriebsrats und der Geschäftsführung besuchte er eine der inzwischen sanierten Halden, die Hammerberg-Halde in Bad Schlema. Der Betriebsratsvorsitzende Stefan Hohenhausen erklärte die Geschichte des Abbaus und zeigte, wie sehr die Halden, die zum Teil bis in den Ort gingen, Schlema belasteten. Davon ist heute nichts mehr zu spüren, Schlema ist inzwischen wieder zum Kurort Bad Schlema geworden, der der Ort vor dem Beginn des massiven Uranbergbaus schon einmal war. Der Tourismus hat hier eine Zukunft.

In der mineralogischen Sammlung der Wismut schaute sich Michael Vassiliadis Mineralien, die im Erzgebirge vorkommen, an, darunter auch die zu Zeiten des kalten Krieges heiß begehrte Uranerze. Die zum Teil bunt Schimmernden Erzklumpen lagern in einer Vitrine in einem gegen den Austritt von Strahlung geschützten Raum. Hier steht auch ein Fläschchen mit "Yellow Cake", dem konzentrierten Uran, das in die Sowjetunion geliefert wurde. Die Sammlung wurde früher vor Ausbildungszwecke genutzt und hat heute noch einen bedeutenden wissenschaftlichen Wert.

Ein wichtiges Thema bei der Wismut ist der Erhalt der umfangreichen Archive und Sammlungen zum Bergbau im Erzgebirge. So gehört die Region aufgrund der Vielzahl der Erkundungsbohrungen zu den am besten erkundeten Gegenden der Welt. Das Unternehmen hat eine Lösung in Zusammenarbeit mit den Bundesländern Sachsen und Thüringen im Sinn. Die Archive seien vollständig, nicht wie so oft auf mehrere Unternehmen aufgeteilt worden, sagte Mann. "Es hat kein Zerfleddern von Archiven, kein Zerlegen von Betriebsdaten gegeben." Wichtig sind die Unterlagen nicht nur aus historischen Gründen. Sondern auch für die weitere Entwicklung. Zum Beispiel damit gekapselte Altlasten im Boden nicht vergessen werden.

In Dresden ging es dann um Möglichkeiten, für die Beschäftigten beim Halbleiterhersteller Globalfoundries einen Tarifvertrag auszuhandeln. Der Betriebsrat möchte dies erreichen, das Unternehmen sträubt sich aber bislang dagegen. Michael Vassiliadis ließ sich von Mitgliedern des Betriebsrats und von Vertrauensleuten die Situation in dem Betrieb schildern.

Insbesondere die hohe öffentliche Förderung des Betriebs und die gleichzeitige Weigerung des Unternehmens, einen Tarifvertrag zu verhandeln, stößt bei den Betriebsratsmitgliedern auf Unverständnis.  Michael Vassiliadis bestärkte die Beschäftigtenvertreter darin, ihr Vorhaben weiter voranzutreiben und machte klar, dass er einen Tarifvertrag für unbedingt notwendig hält: "Unternehmen müssen sich den Qualitätskriterien deutscher Produktions-Standorte stellen."

Das Dresdener Werk von Globalfoundries gehörte bis 2009 zum AMD-Konzern. Es gilt als eine der herausragenden Industrie-Ansiedlungen in Ostdeutschland nach der Wende. Lange gab es in dem Werk noch nicht einmal einen Betriebsrat. Der wurde im Jahr 2011 mit Unterstützung durch die IG BCE gewählt.

  • Vassiliadis besucht Wismut

    Michael Vassiliadis infomierte sich über den Stand der Kernsanierungen bei der Wismut in Sachsen.

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